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Unsitte im Fernsehen: Geschenke an Prominente

90 Minuten Sky90. Für viele Fußballfans mit Sky-Receiver gehört die Gesprächsrunde mit Patrick Wasserziehr zum Abschluss eines jeden Bundesliga-Spieltags. Die Sendung ist – wie der gesamte Sport bei Sky – kurzweilig und gut, sie hebt sich wohltuend von vielem ab, was Woche für Woche im Sportfernsehen zu sehen ist. Für die Gäste der vergangenen Ausgabe (Oliver Kahn, Ewald Lienen, Lothar Matthäus und Walter Straten) hat sich der Besuch im Studio ganz besonders gelohnt:

Sie wurden am Ende mit dem neuesten Album der „Fantastischen Vier“ bedacht. Ein tolles Geschenk für langjährige Freunde – oder so ähnlich. Und sie waren nicht die einzigen, die vor laufenden Kameras das Präsent in die Hand gedrückt bekamen. So durfte sich beispielweise auch Gladbachs Manager Max Eberl über die Platte freuen. Solch kleine Geschenke nach Interviews und Analysen sind keine Seltenheiten – das gilt für viele Sender: Vor geraumer Zeit gab es für die Gesprächspartner auch mal Videospiele oder Uhren. Und es ist gar nicht so lange her, dass auch Badelatschen verteilt wurden. Es mag Verträge und Absprachen geben, doch letztlich ist die Sache mit den Geschenken vor allem eines: befremdlich. Fernsehsender, die öffentlich Millionäre (oder zumindest Wohlsituierte) beschenken, biedern sich förmlich an. Sie unterstützen diejenigen, die ohnehin auf der Sonnenseite leben (unabhängig von der Frage, was Musikalben und Uhren überhaupt in den Sendungen zu suchen haben). Die Verantwortlichen machen sich damit angreifbar, weil sie für meine Begriffe eine journalistische Grenze überschreiten. Nun könnte man einwenden, dass Pay-TV seine Geschenke doch nach Gutdünken verteilen könne – ganz im Gegensatz zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Doch Glaubwürdigkeit lässt sich nicht an einer Organisationsform festmachen. Es gehört sich einfach nicht – finde ich.