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Das Lexikon der nervigsten Fußballphrasen

Endlich geht es los. Die Bundesliga ist dieser Tage in die neue Saison gestartet und Millionen Fußballfans dürften sich darüber freuen. Wäre da nicht ein Wermutstropfen: Die vielen Interviews und Kommentare rund um die Partien sind eine einzige Zumutung, ein Phrasengedresche erster Güte. Dabei stehen sich Spieler, Verantwortliche und (viele) Journalisten in nichts nach. Sie scheinen den Grundsatz „viel sprechen, wenig sagen“ vorzüglich verinnerlicht zu haben.

Aus aktuellem Anlass präsentiere ich daher Teil 1 des…

Kleinen und längst nicht vollständigen Lexikons der nervigsten Phrasen im Fußball

Die Rede ist nicht einmal von den Klassikern „Ein Spiel dauert 90 Minuten“, „Der Pokal hat seine eigenen Gesetze“ oder „Ein Tor würde dem Spiel guttun“. Mittlerweile haben sich neue Phrasen etabliert, die es an ausnahmslos jedem Bundesliga- oder Pokalwochenende zu hören gibt. 

Von Spiel zu Spiel denken: Ultimative Phrase – die geht immer. Wer sich Interviews mit Spielern oder Trainern anhört, der merkt schnell: Jung und Alt haben das Geschäft des Nicht-Sagens gleichermaßen verinnerlicht. Diese Floskel gehört zum absoluten Standardrepertoire eines jeden Kickers. Unabhängig davon, dass es recht unwahrscheinlich erscheint, nur an das EINE kommende Spiel zu denken, offenbart dieser Satz noch mehr: Dass viele sich nicht einmal die Mühe machen, einen treffenden Gedanken zu formulieren. Vielleicht können sie es auch nicht. Stattdessen greifen sie auf das fast schon lächerliche „Von Spiel zu Spiel denken“ zurück. Schade eigentlich.

Pickepackevoll: Bei dieser Vokabel bekommen Mitarbeiter von Sport1 vermutlich feuchte Augen. Hoffentlich bleibt es bei den Augen. Je nach Anlass können Sendungen, aber auch Stadien „pickepackevoll“ sein. Ein Wort, das ganz dem Zeitgeist der Übertreibung entspricht: Alles wird zum Superlativ, eine Steigerung ist zumindest verbal kaum möglich. Kleiner Vorschlag: „Heute in ‚Bundesliga aktuell‘: Eine noch ‚pickepackevollere‘ Sendung als gestern!“. Ein Lichtblick immerhin: Arnd Zeigler begrüßt fast wöchentlich zu einer „pickepackevollen“ Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“  (WDR) – ein charmanter Seitenhieb, den wohl nicht alle verstehen.



Wir haben gekämpft und gefightet:
Welch glorreiche Spielergeneration doch aktuell – Achtung Floskel – dem runden Leder nachjagt. Während früher lediglich auf dem Platz gekämpft wurde, vollbringt die heutige Generation das Kunststück, zu kämpfen und obendrein auch noch zu „fighten“. Wow. Hut ab. Nur nicht vor jenen, die Kampf und Fight allwöchentlich beschwören.

Schussversuch: Beliebt bei Kommentatoren – nur leider falsch. Kaum schießt ein Stürmer den Ball übers Tor, sprechen die meisten Kommentatoren reflexartig von einem Schussversuch. Doch selbst ein Schuss, der das Gehäuse meilenweit verfehlt, bleibt ein Schuss. „Schussversuch“ ließe sich allenfalls rechtfertigen, wenn ein Spieler am Ball vorbeitritt. Oder über seine eigenen Beine stolpert. Als Alternative wäre wenn überhaupt „Torversuch“ passender – ein ebenso hässliches und demnach unbrauchbares Wort. Vielleicht sollten die Kommentatoren einfach sagen, dass der Ball am Tor vorbeigeflogen ist. Manchmal war es richtig knapp und nicht selten hat der Spieler den Ball in den Wolken gedroschen. Doch in beiden Fällen bleibt es ein Schuss. Vorschlag an die Kommentatoren da draußen: In einigen Fällen vielleicht einfach schweigen.

Noch zu gehen: Recht neu und einfach schlecht. Kaum brechen die letzten Spielminuten an, sind es nur „wenige Minuten zu gehen.“ Es soll Spieler geben, die mehr gehen als rennen. Doch die Spielzeit ist irgendwann zu Ende. Schöner wäre es, wenn es „nur noch wenige Minuten zu spielen“ wären. Oder der „Schiri gleich abpfeift“. Aber „noch zu gehen“? Nee.


Weitere Phrasen gibt es dann im zweiten Teil des Lexikons. Glücklicherweise ist die Bundesliga ein schier unerschöpflicher Quell unnützer Sätze. Die Auswahl wird nicht schwerfallen.